Renaturierung Wester

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Etwa 40 interessierte Bürger, darunter auch Ratsmitglieder und Ausschussvorsitzende, waren der Einladung von Beleckes neuem Ortsvorsteher Heiner Maas am Dienstag in die Neue Aula gefolgt. Viele nutzten die Gelegenheit zur Amtübernahme zu gratulieren. Doch im Fokus des Geschehens stand die Renaturierung der Wester und damit verbunden der notwendige Hochwasserschutz an Stütings Mühle, sowie das Anlegen eines Radweges zwischen Bahnhof- und Paul-Gerhardt-Straße. Vorgestellt wurde das Projekt von Dipl. Ing. Wolfgang Klein vom beauftragten, gleichnamigen Allagener Planungbüro. „Wir wollen, dass Sie zukünftig mit trockenen Füßen in die Bücherei kommen – jeder Zeit. Und: Sie werden eine kleine Wester bekommen, wie sie mit ihren neuen Pflanzen und Tieren viel schöner sein wird als bisher“, verwies Norbert Hurtig, Sachgebietsleiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises Soest auf den Mehrwert,

den die Renaturierung für jeden einzelnen Bürger zur Folge haben würde. Gleichzeitig machte er klar: „ Wir setzen damit die Europäischen Wasserrichtlinie um.“ 

Mit dieser Richtlinie soll erreicht werden, dass die Bäche, Flüsse und Seen sowie die Grundwasservorkommen in allen Staaten der EU langfristig geschützt und falls notwendig verbessert werden. Bis 2015 sollten alle Wasserkörper die geforderten Ziele erreichen, doch insgesamt reicht der Terminkalender der Wasserrahmenrichtlinie bis 2027. In Belecke sollen die Umbauten jetzt möglichst zeitnah erfolgen. Geplant ist ein Beginn Ende des Jahres, bzw. Anfang 2019. Eine gute Nachricht zum schnellen Start konnte gleich zu Beginn auch Dipl. Ing. Philipp Büngeler, der das Projekt als Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde begleitet, verkünden: „Paderborn hat „grünes Licht gegeben“. Etwa 90 Prozent der involvierten Westerflächen gehören der Kirche. Jetzt ist klar: Wir dürfen sie nutzen.“ Nun müsse als nächstes mit den privaten Eignern gesprochen werden. 

Klein zeigte in seiner Präsentation zunächst den Ist-Zustand des Flussverlaufs auf. Die Wester gabelt sich oberhalb der Paul-Gerhardt-Straße in „alte Wester“ und „neue Wester“. Während man den alten Fluss weitestgehend unangetastet lassen wolle, wird die Länge des Gewässers durch die Westerwiesen zukünftig von 619 Metern durch das Wiederherstellen ihres natürlichen Verlaufs auf 906 Meter verlängert. Einfluss nehmen werden die Fachleute hier auf Breite, Fließgeschwindigkeit und Gefälle. Übergeordneter „Sinn der Sache“ sei das Areal ökologisch aufzuwerten. Auch bei der Planung des Radweges. „Wir sollten nicht den ganzen Flussverlauf mit dem Radweg belasten. Das wäre etwa für den Eisvogel, der sich dort zukünftig ansiedeln kann, eindeutig zu viel „Terror“, sprach sich Klein für einen Wegeverlauf nicht permanent am Ufer aus. Großes Interesse fanden die Varianten zur Verhinderung von Überschwemmungen vor Stütings Mühle. Am meisten Anklang fand die Möglichkeit u.a. das Gelände auf etwaige Höhe kurz unterhalb des Eingangs der Bücherei anzufüllen. „Wichtig ist, dass weiterhin Autos, auch Lkw, zum Sägewerk gelangen können“, machte Hans-Jürgen Raulf, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, klar. Eine weitere Frage bei den, zu 80 Prozent aus Landesmitteln finanzierten, Renaturierungsmaßnahmen sei auch, ob man den Bereich vor dem Mühlengelände so gestalte, dass kleine Rinnsale und so ein natürlicher Spielplatz entstehe. „Das muss natürlich sicher sein. Aber vom Grundgedanken eine tolle Sache“, konnte sich Elke Bertling für den Gedanken begeistern. Um Sicherheit ging es auch Johannes Hellermann vom Sachgebiet Straßen der Stadt Warstein. Der Bau des neuen Radweges wird zwar interdisziplinär in dem Projekt geführt, untersteht aber finanziell der Kommune. So plane die Stadt einen Angebotsstreifen für Radfahrer auf der Paul-Gerhardt-Straße – von der Einmündung des neuen Radweges bis zur Westerberg-Grundschule. Die Idee auch eine Anbindung in Höhe Silbke/Bushäuschen zur Weiterfahrt hinter der Schützenhalle über die dortige Trasse in Richtung Möhnesee zu schaffen, widerlegte Bürgermeister Schöne: „Zum einen wollen wir Sicherheit. Zum anderen aber auch die Menschen in die Innenstadt führen.“  

Beim Aufzeigen des derzeitigen Zustandes erhielten die Fachleute von den Besuchern einige wichtige Informationen. So wussten etwa Zeitzeugen, dass der steinerne Rückstau inmitten der Wiesen nicht wie gedacht die Reste einer alten Wehr seien sondern in früheren Zeiten dort eine Brücke den Fluss querte. Auch die wallartige Erhöhung in Richtung Bundesstraße sei nicht aus Hochwassergründen vorgenommen worden: „Dort befanden sich früher alte Erzwerkstollen“, wusste Josef Wüllner. „Wichtige Aussagen für unsere zukünftige Planung“, erklärte Büngeler und betonte der derzeitige Stand des Projekts sei zunächst die „Vorplanung“. Nun gelte es Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Vereinsspitzen und Gruppierungen zu bilden.
Text: Gaby Schmitz

 

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